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"Straubinger Modell" des PMU jetzt auch für Galopper

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 BeitragVerfasst: Mo 26. Feb 2018, 13:35   
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Ab März 2018 beginnt ein neues PMU-Zeitalter im deutschen Pferderennsport – nicht nur bei den Trabern, sondern auch bei den Galoppern. Das so genannte „Straubinger Modell“ wird deutschlandweit eingeführt, jedenfalls für alle Rennvereine, die es wollen. Gezwungen wird natürlich niemand. Der klamme Straubinger Trabrennverein mit seinem umtriebigen Präsidenten Josef Schachtner hatte vor zwei Jahren nicht mehr die Wahl, ob man mit dem PMU zusammenarbeiten wolle. Ohne PMU wäre der Trabrennsport in der niederbayerischen Kleinstadt schlicht am Ende gewesen. Das Straubinger Modell besteht darin, mit den Franzosen als „masse commune“, also mit einem gemeinsamen Toto-Pool, zu wetten.

Ab März wird Straubing eine diesbezügliche Totalisator-Erlaubnis auch für deutsche PMU-Rennen erhalten, die nicht in Straubing selbst stattfinden. Also für ganz Deutschland und auch für Galopprennen. Dann könnten The Man und Netroyal auf Gregor Baums hannoverscher Rennbahn mit den Zockern in Bordeaux und Toulouse gemeinsam wetten. Die deutschen Wettumsätze wandern dann nach Hannover und verbleiben nicht in Straubing, damit hier kein Missverständnis aufkommt. Die deutschen Galopprennvereine werden demnächst Post aus Straubing erhalten.


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 BeitragVerfasst: Mo 26. Feb 2018, 14:16   
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Sie wollen damit sagen, daß Straubing die Zentrale der deutschen PMU-Vermittlung wird?

v. Blücher


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 BeitragVerfasst: Mo 26. Feb 2018, 14:23   
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Ist das das gleiche Modell, das man 2016 bereits an zwei Renntagen in Hamburg erprobt hatte?

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 BeitragVerfasst: Mo 26. Feb 2018, 18:13   
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Ein Beispiel: Magdeburg hat bei einem PMU-Renntag im Herrenkrug künftig die Wahl, ob es mit dem herkömmlichen germanischen Totalisator oder mit dem deutsch-französischen Pool arbeitet. Der gemeinsame Toto hat natürlich ganz andere Dimensionen bei der Höhe der Wettumsätze. Wenn Netroyal da mal hundert Euro am Toto setzt, zockt er nicht gleich gegen sein eigenes Geld.

Straubing wird also eine Art Clearingstelle für den gesamten deutschen Pferderennsport. Und was haben die Niederbayern von der Sache, wenn sie Gelder für Mönchengladbach oder Baden-Baden managen? Weiß ich auch nicht, aber vermutlich werden sie von irgendeiner Seite eine Provision oder Bearbeitungsgebühr bekommen. Der Straubinger Präsident (noch ein jüngerer Typ) ist jedenfalls ein ausgeschlafener Bursche, der auch den Doppelpass mit der Politik beherrscht.

Ich sehe innerhalb von Deutschland auch den Wettbewerb zwischen Galoppern und Trabern sich intensivieren, denn das Jahresprogramm der Traber besteht ja zu einem erheblichen Teil aus PMU-Veranstaltungen. Und wenn da jetzt durch riesige Wettpools mit den Franzosen wesentlich attraktivere Quoten herauskommen als bisher, könnten die Traber Boden gegenüber den Galoppern gutmachen.

Mehr Infos zur deutsch-französischen Wettkooperation gibt es auf der Website des Straubinger Trabrennvereins in folgendem Beitrag über die Mitgliederversammlung:
https://www.trabrennbahn-sr.de/index.ph ... extid=3839


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 BeitragVerfasst: Mo 26. Feb 2018, 18:37   
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tja das is schon lange in trockenen tüchern

weiss der geier warum german racing damit nicht rauskommt
und warum die als partner der pmu nich die "clearing stelle" sen wollen


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 BeitragVerfasst: Di 27. Feb 2018, 08:41   
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" Mit Josef Schachtner (Jahrgang 1978) hat der älteste Trabrennverein Deutschlands den jüngsten Vorsitzenden eines deutschen Rennvereins in seinem Amt einstimmig bestätigt. " Zitatende Trabrennsport Straubing. Man könnte auch fast sagen jung, dynamisch, damisch. so ruiniert der sport sich selber. wegen kurzzeitigen vorteilen ...


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 BeitragVerfasst: Di 27. Feb 2018, 10:29   
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manto hat geschrieben:
" Mit Josef Schachtner (Jahrgang 1978) hat der älteste Trabrennverein Deutschlands den jüngsten Vorsitzenden eines deutschen Rennvereins in seinem Amt einstimmig bestätigt. " Zitatende Trabrennsport Straubing. Man könnte auch fast sagen jung, dynamisch, damisch. so ruiniert der sport sich selber. wegen kurzzeitigen vorteilen ...

Die Ergebnisse der kurzzeitigen Alternativen kann man in Recklinghausen, Elmshorn oder Pfaffenhofen bewundern.

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 BeitragVerfasst: Di 27. Feb 2018, 12:24   
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Für die Trabrennbahn Straubing ist die Zusammenarbeit mit dem PMU alternativlos, weil es ohne die Franzosen keinen Trabrennsport mehr an der Donau gäbe. Straubing war früher eine 1000 m-Bahn, seit fünfzehn Jahren jedoch nur noch eine 900 m-Piste. Der freigewordene Platz hinter dem Zielbogen wurde für den Wohnungsbau benötigt, um damit ein Loch in der Kasse zu stopfen. Das hat nicht gereicht, Straubing war bald wieder pleite. Und dann kam der junge Präses Schachtner, der die perspektivlose Rennbahn bis jetzt über Wasser gehalten hat, nur dank PMU.

Wie sieht die Verteilung der Provisionen aus? Nach dem herkömmlichen Modell gibt der PMU 3 % des Umsatzes nach Deutschland, aber wo verbleiben die? Bei den Trabern scheint es bisher so zu sein, dass 2 % an den veranstaltenden Rennverein gehen und 1 % an den Traber-Dachverband HVT. Und bei den Galoppern, wie viel greift German Tote da ab? BGG-General Stephan Buchner schrieb dazu vor gut einem Jahr hier im Forum, ohne konkrete Prozentzahlen der Provisionen zu nennen:
„Über 90 Prozent der Gewinne von German Tote resultieren aus Vermittlungen von Wetten in den französischen Totalisator. In den letzten Jahren konnten dadurch bis zu 2,5 Millionen Euro jährlich erlöst werden. Dieses Modell funktioniert aber nur mit der Kooperation mit der PMU. Die Vereinbarung war im Auslaufen begriffen, es bestand die Gefahr, dass PMU das Geschäft ohne German Tote macht und damit die wesentliche Einnahmequelle von German Tote wegfällt. Das Risiko wurde von den Gesellschaftern der BGG als so groß erachtet, dass 51 Prozent von German Tote im Wege einer Kapitalerhöhung an die PMU übertragen wurden. Mit Bauchschmerzen zwar, aber das war im Grunde dies einzige Chance, das Geschäftsmodell von German Tote zu sichern. Im Gegenzug erhält der Rennsport jetzt einen bestimmten Prozentsatz vom Umsatz bei German Tote, aber natürlich nur dann und so lange, wie dadurch kein Verlust bei German Tote entsteht.“

Bei den masse commune-Wetten, also dem gemeinsamen Totalisator (und nur dafür gilt das Straubinger PMU-Modell), war der niederbayerische Super-Sepp jetzt also wohl etwas fixer als German Tote und hat Nägel mit Köpfen gemacht. Straubing wird als Clearingstelle (ähnlich dem in einem Brüsseler Vorort angesiedelten SWIFT für das internationale Bankensystem) agieren und dafür wohl einen Provisionsanteil bekommen. Genialer Coup. Die deutschen Galopper dagegen haben erst die Mehrheit an ihrem German Tote nach Frankreich verkauft, und die Franzosen machen den neuen PMU-Deal für den gemeinsamen Totalisator nun an German Tote vorbei mit Straubingtrab auch für den Bereich des Galopprennsports. Warum kannibalisiert der PMU damit den Umsatz seiner deutschen Tochter German Tote? Da bleiben Fragen offen. Macht es Straubing etwa so viel billiger, als es German Tote gekonnt hätte? Jedenfalls ist es der Super-GAU für German Tote.


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 BeitragVerfasst: Di 27. Feb 2018, 15:03   
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Beiträge: 1922
Racingman hat geschrieben:
Für die Trabrennbahn Straubing ist die Zusammenarbeit mit dem PMU alternativlos, weil es ohne die Franzosen keinen Trabrennsport mehr an der Donau gäbe. Straubing war früher eine 1000 m-Bahn, seit fünfzehn Jahren jedoch nur noch eine 900 m-Piste. Der freigewordene Platz hinter dem Zielbogen wurde für den Wohnungsbau benötigt, um damit ein Loch in der Kasse zu stopfen. Das hat nicht gereicht, Straubing war bald wieder pleite. Und dann kam der junge Präses Schachtner, der die perspektivlose Rennbahn bis jetzt über Wasser gehalten hat, nur dank PMU.
Das gilt nicht nur für Straubing. Das gilt auch für den gesamten dt. Galopprennsport. Ohne PMU wären nicht nur die PMU-Rennen und Renntage weg, da würden auch noch weitere Renntage dem Rotstft zum Opfer fallen. Durch eine Zweitvermarktung können diese Renntage Überschüsse erwirtschaften, die in die anderen Renntage einfließen.
Wenn die PMU-Rennen nicht wären, das Besitzerlager sähe anders aus.

Racingman hat geschrieben:
Wie sieht die Verteilung der Provisionen aus? Nach dem herkömmlichen Modell gibt der PMU 3 % des Umsatzes nach Deutschland, aber wo verbleiben die? Bei den Trabern scheint es bisher so zu sein, dass 2 % an den veranstaltenden Rennverein gehen und 1 % an den Traber-Dachverband HVT. Und bei den Galoppern, wie viel greift German Tote da ab? BGG-General Stephan Buchner schrieb dazu vor gut einem Jahr hier im Forum, ohne konkrete Prozentzahlen der Provisionen zu nennen:
„Über 90 Prozent der Gewinne von German Tote resultieren aus Vermittlungen von Wetten in den französischen Totalisator. In den letzten Jahren konnten dadurch bis zu 2,5 Millionen Euro jährlich erlöst werden. Dieses Modell funktioniert aber nur mit der Kooperation mit der PMU. Die Vereinbarung war im Auslaufen begriffen, es bestand die Gefahr, dass PMU das Geschäft ohne German Tote macht und damit die wesentliche Einnahmequelle von German Tote wegfällt. Das Risiko wurde von den Gesellschaftern der BGG als so groß erachtet, dass 51 Prozent von German Tote im Wege einer Kapitalerhöhung an die PMU übertragen wurden. Mit Bauchschmerzen zwar, aber das war im Grunde dies einzige Chance, das Geschäftsmodell von German Tote zu sichern. Im Gegenzug erhält der Rennsport jetzt einen bestimmten Prozentsatz vom Umsatz bei German Tote, aber natürlich nur dann und so lange, wie dadurch kein Verlust bei German Tote entsteht.“

Bei den masse commune-Wetten, also dem gemeinsamen Totalisator (und nur dafür gilt das Straubinger PMU-Modell), war der niederbayerische Super-Sepp jetzt also wohl etwas fixer als German Tote und hat Nägel mit Köpfen gemacht. Straubing wird als Clearingstelle (ähnlich dem in einem Brüsseler Vorort angesiedelten SWIFT für das internationale Bankensystem) agieren und dafür wohl einen Provisionsanteil bekommen. Genialer Coup. Die deutschen Galopper dagegen haben erst die Mehrheit an ihrem German Tote nach Frankreich verkauft, und die Franzosen machen den neuen PMU-Deal für den gemeinsamen Totalisator nun an German Tote vorbei mit Straubingtrab auch für den Bereich des Galopprennsports. Warum kannibalisiert der PMU damit den Umsatz seiner deutschen Tochter German Tote? Da bleiben Fragen offen. Macht es Straubing etwa so viel billiger, als es German Tote gekonnt hätte? Jedenfalls ist es der Super-GAU für German Tote.

Die Provisionsfrage ist die entscheidende Frage.
Diese erwähnten drei Prozent, das ist die Provision von PMU an den Ausrichter in Deutschland für Umsätze aus der ganzen Welt in den PMU-Topf für Rennen in Deutschland (siehe zuletzt in Neuss 300T€ auf Platz in einem Rennen).
Das ist nicht die Provision, wenn ich über mein Wettstar-Konto irgendwelche PMU-Rennen bewette, sei es in Chile, in Paris oder Dortmund. Dafür bekommt Wettstar von PMU eine Wettvermittlungsprovision, so wie Wettstar auch eine Vermittlungsprovision bekommt, wenn ich über diese Gesellschaft z.B. in den Münchener Toto wette.

Gab es bei den Trabern nicht zwei Verbände?
Hatte sich nicht einer davon German Tote angeschlossen? Gehörte Straubing nicht zu der anderen Gesellschaft?

Zitat:
„Mit dem ‚Straubinger Modell‘ sammeln wir alle in Deutschland getätigten Wetten, nehmen unsere Abzüge und Rennwettsteuer, und errechnen dann gemeinsam mit dem französischen Wettanbieter PMU eine gemeinsame Quote aus.“ Dies führe einerseits zu höheren Umsätzen, höherer Rennwettsteuerrückerstattung und damit Mehrwert für den Rennverein und den Rennsport. Aber auch die Wettkunden profitieren durch höhere Ausschüttungsquoten, stabilere Quote und ein umfangreicheres Wettangebot.
Wie funktioniert das? Die Straubinger ziehen sicherlich 35% ab. PMU vielleicht 25% über alles. Da würde der dt. Wetter durch den Restweltwetter subventioniert?
Nun ja, ich muss nicht alles verstehen. In Mons gibt es an PMU-Renntagen auch nur den PMU-Toto, habe ich mir zuletzt sagen lassen.
Trotzdem stürzte der Toto für unseren Sieger innerhalb von 3-4 Minuten vor dem Start so von 80 auf knapp unter 40.

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 BeitragVerfasst: Di 27. Feb 2018, 15:28   
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" Und dann kam der junge Präses Schachtner, der die perspektivlose Rennbahn bis jetzt über Wasser gehalten hat, nur dank PMU. " Zitatende.
So nicht ganz richtig. 2003 wurde ein teil des geländes verkauft um die schulden zu tilgen. die waren 2007 wieder bei 12 millionen, viel geld für den altesten trabrennverein deutschlands. Also wurde die bahn an die familie lindinger verkauft die sie seither dem trabrennverein für die rennen zur verfügung stellt. ab 2007 zusammenarbeit mit winrace und jetzt die eigenauslieferung an die pmu mit absolutem abhängigkeitsverhältnis. ist ja auch leichter als sponsorenbettelei ...


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 BeitragVerfasst: So 11. Mär 2018, 07:30   
Jockey
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Die 1% Zahlung an die Aufsichtsorganisation ist ein viel zu hoher Anteil. Sie tun dafür so gut wie nichts. Die Verträge zwischen der PMU und den Rennvereinen - die sich dummerweise von den Aufsichtsorganisationen vertreten lassen statt eine eigene Arbeitsgemeinschaft zu bilden, die dann auch zugleich Clearingstelle für die Termine sein könnte - liegen bei den Trabern in der Dunkelkammer. Die tatsächlichen Zahlen auch. Ersichtlich sind nur die im PMU Bereich erzielten Umsätze in erfreuliche Transparenz in Frankreich.

Wie im Traberbereich zu sehen wird der Anteil im Haushalt des HVT verbraten. Mit anderen Worten: die Hausaufgaben werden nicht gemacht, weil sich ja neue Quellen erschlossen haben. Bei den Traber hat man die Rennpreise absichtlich so knapp kalkuliert, weil sie von Umsätze im PMU Bereich ausgingen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Die Rennpreise entsprachen einem Umsatz von 136.000 € pro Rennen. Tatsächlich liegen die Umsätze aber im Mittelwert deutlich über 200.000 €, in der Spitze sogar über 300.00 € .

Die Provisionen sollten ausgekehrt und an die Aktiven weitergeleitet werden, damit der Markt Mut zur Investition schafft. Nun bejammert man das Fehlen der Startpferde. Immer mehr Renntage fallen aus. Aber eine Kostenanalyse vorzulegen scheut man sich. Die Rennvereine legen keine Rechenschaftsberichte vor. Die Bilanz der Aufsichtsorganisation ist auch der Öffentlichkeit entzogen. So macht man sich nur verdächtig.

Mit den Rennpreise ist es im Vollblutlager etwas anders gelaufen, aber auch nicht im ausreichenden Maße. Hier ist es auch einfacher, weil die Ausschreibungen an den Landesgrenzen nicht halt machen. Im Schnitt wurde bei schwächeren Umsätzen deutlich mehr ausgeschüttet. Auch hier fehlen Startpferde und der Verlust weiterer Bahnen wird nicht gerade zur Belebung beitragen. Der Auslandstrend hat sich deutlich verstärkt und die Reisetätigkeit hat zugenommen - vor allem in der Provinz.

Die Traber haben das Problem, dass wegen der kleinen Gewinnsummen, die Töpfe in Frankreich fast unerreichbar sind. Die Pferde sind kaum zu qualifizieren, weil sie die erforderlichen Gewinnsummen nicht erreichen oder erreichen können. Die Qualität der Deutschen Traber in den unteren Klassen ist ausreichend, um international bestehen zu können. Verbesserte Rennpreise würden zu mehr Investitionen führen und erhöhen so den Pferdebestand. Die Preisgabe der Wochenrenntage und die Aufgabe der Rennbahnen unterlag der Maxime: Gesund schrumpfen. Eine völlige Fehleinschätzung. Zwei Drittel der Umsätze werden ohnehin im Außenbereich getätigt. Die Spieler, die nunmehr keine Wochenrenntage in Deutschland finden, wetten im Ausland. Nicht nur wegen der größeren Umsätze, sondern weil sie in Deutschland nicht mehr wetten können. Eine nationale Poolwette steht leider nicht auf der Tagesordnung. Die negativen Erfahrungen mit den Rennquintett wirken immer noch nach. Dabei wäre dies eine ausbaufähige Marktchance. Mit solchen Wettangeboten können auch neue Kunden angesprochen werden.

Josef Schachtner nutzt in Straubing die Rechtslage aus, die es dem Inhaber einer Totalisatorgenehmigung gestattet Wetten zu vermitteln. Nur Rennvereine können eine solche Genehmigung erhalten. Das ist besser als den Buchmachern horrende Provisionen zu zahlen - teilweise bis zu 10% für die Vermittlung - und hat den erfreulichen Nebeneffekt, dass die vereinnahmte Rennwettsteuer erstattungsfähig ist. Die technische Abwicklung ist heutzutage ein Kinderspiel. Wenn es dann noch gelänge, die vereinnahmten Buchmachersteuern für Auslandswetten dem Pferdesport zurückzugeben, dann wäre die finanzielle Basis eine deutlich bessere. Da der Glücksspielstaatsvertrag definitiv gescheitert ist (NRW und Schleswig Holstein werden einer Verlängerung nicht zustimmen) und beim EGH liegt das Verfahren auf Eis, ist es an der Zeit die Weichen neu zu stellen.

Die beiden Rennsportlager sollten sich endlich zusammenfinden und ihre Interessen bündeln - die sind nicht so gegensätzlich. Der Rennsport ist zu einem Nischensport verkommen und die kleinen Chancen, die sich noch bieten - Hamburg Horn z.B. - drohen in den aufgerissenen Gräben zu versickern. In Horn geht es jetzt mehr um die Randbebauung des Bahngeländes als um ein Konzept , dass sich durch Verträge mit der PMU und der ATG unabhängig von Sponsoren darstellen ließe.

Der Rennsport muss endlich wieder den Schulterschluss im Pferdesektor suchen. Ein 6 Milliarden Euro Markt in Deutschland. Die Abkoppeln hat weder den Galopper noch den Trabern etwas gebracht und der Zucht sehr geschadet. In den Landwirtschaftsministerien gibt es keine Ansprechpartner mehr, das Ausbildungswesen ist verkümmert. Es ist Zeit den Dornröschenschlaf zu beenden. Der Prinz kommt nicht. Nur gemeinsame Anstrengungen werden den Sport erhalten können. Insoweit ist die Straubinger Initiative ein erster wichtiger Schritt um die finanzielle Basis der Rennvereine solider zu gestalten.

Ein wenig lang, aber für einen kürzeren Beitrag hatte ich die Zeit nicht.


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 BeitragVerfasst: So 11. Mär 2018, 09:12   
Rennleitung

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wenigstens mal ein beitrag abseits der netroyal-weisheiten :oops: :D


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 BeitragVerfasst: So 11. Mär 2018, 13:15   
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Bienvenue chez les galopeurs, Hippotel! Auf welchen Umwegen hat denn eigentlich der niederrheinische Ex-Papst des Traberforums aus St-Cocorico-en-Yvelines das Amelie-Forum entdeckt? Ich dachte immer, Sie sind ein Hardcore-Traber. Ein anderes schönes Thema, zu dem Sie als Wahl-Franzose sich hier äußern könnten: der Schadensersatzprozess Betclic vs. PMU wegen der nicht erfolgten Trennung von stationärem Wettgeschäft und Internetwetten in den Jahren 2010 bis 2015. Der Internet-Bookie hat eine Klage gegen den PMU gewonnen, und lediglich die Höhe des Anspruchs muss noch durch ein Gutachten bestimmt werden. Gefordert werden von Betclic sage und schreibe 170 Millionen Euro. Ist das realistisch? Welche anderen Bookies könnten auch noch klagen? Und welche Folgen hätte dies für die Existenz des PMU? Ein anderes Thema: Welche Auswirkungen der Qualitäts-Offensive des PMU sehen Sie auf die deutschen Galopper und Traber zukommen?


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 BeitragVerfasst: So 11. Mär 2018, 20:05   
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Registriert: Do 24. Apr 2014, 12:02
Beiträge: 94
Nicht alles, was sich drucken lässt, entspricht der Wahrheit. Päpste werden gewählt und St-Cocorico-en-Yvelines, kenne ich leider nicht. Alternative Fakten passen eigentlich nicht zu Ihren sonstigen Ausführungen in diesem oft schlafenden Forum. Sie scheinen hier etwas zu verwechseln. Ist aber ohne Belang.

Was den Realismus angeht: In Amerika wird gerade ein Trainer (auch anderweitig schon mehrfach wegen Doping Vergehen in Erscheinung getreten) und der Veranstalter (TheBigM) von einem Wetter auf Schadenersatz verklagt. Es geht um entgangenen Wettgewinn ca. 30 000 € . Der Kläger hatte die Pferde die an 2,3,4,5,6 Stelle einliefen in vielen Variationen gewettet. Der Sieger war gedopt (Epo) Die Probe wurde zwei Monate vor dem Rennen genommen, aber erst nach dem Rennen bekannt gegeben. Er hätte, nach Auffassung des Klägers, nicht starten dürfen. Die Verteidigung macht geltend: Erstens sei Hongkong als Labor in der Region nicht gelistet, der Test also irrelevant und zweitens seien entgangene Wettgewinne nicht einklagbar. Es wird weltweit Neuland betreten. Aber der Artikel ist trotzdem interessant. https://www.stamfordadvocate.com/news/c ... 735088.php

Zur Frage: ob die Klagesumme von Betclic realistisch sei?

Für europäische Verhältnisse sicher nicht, aber die rechtswidrige Ausnutzung eines Monopols - das ich für richtig halte - hat zur Trennung der PMU Kassen geführt. Das ist die Rechtslage. Die Urteile des EGH sind lehrreich. Daran kommt kein Nationales Gericht in Europa vorbei. Die PMU wird natürlich bis zur letztmögliche Instanz pilgern, aber dass sie in diesem Fall gewinnen kann glauben nur die, die auch an die Fabel des Zitronenfalters glauben. 60 - 80 Mio. halte ich für realistisch.

Ob sich weitere Anbieter anschließen werden?

Eher nicht. Wenn das Urteil rechtskräftig wird sind außergerichtliche Vergleiche eher wahrscheinlich. Die warten ab, ob Betflic die Kastanien aus dem Feuer holt. Strategie: Trittbrettfahrer. Richtig weh tut das aber nicht. Weh tun würde eine Ausweitung der FDJ Aktivitäten im Sportwetten Bereich. Sollte die FDJ privatisiert werden - wird ernsthaft diskutiert - wäre die PMU gut beraten dort einzusteigen um eine Sperrminorität zu erhalten. Aber das ist nur meine selektive Wahrnehmung.

"Qualitätsoffensive der PMU"

Was auch immer damit gemeint ist. Die Aktivierung der Premium Rennen in der Provinz verlagert einige PMU Veranstaltungen. Wenn die Umsätze nicht ausreichen, also der Markt auf die 5 - 6 Starterfelder müde wird, weil auch die Hälfte der sonst möglichen Spielmöglichkeiten ausfällt, dann ist es nur logisch chronisch schwache Veranstaltungen im Ausland auszuwechseln und dafür eher Inlandsveranstaltungen zu nehmen. Die Qualität der Rennen ist da zweitrangig. Der Vorgang wurde unlängst in der trabinside näher beleuchtet. Die PMU bestimmt nicht den Veranstaltungskalender. Das machen France Galop und LeTrot. Erst was danach übrig bleibt kann durch Auslandsveranstaltungen aufgefüllt werden. Die PMU ist nicht dem Pferdesport, sondern dem Französischen Pferdesport verpflichtet. Dem kommen auch die Gewinne zu Gute.

Im übrigen gehören Ihre Fragen und meine Replik gar nicht in diese Rubrik, weil sie mit dem Straubinger Modell nichts zu tun habe. Ich wollte nur nicht kneifen.

In Anlage ein diskussionswürdiges Thema: Brexit


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 BeitragVerfasst: Mo 12. Mär 2018, 15:28   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 08:37
Beiträge: 1293
hippotel hat geschrieben:
Die PMU ist nicht dem Pferdesport, sondern dem Französischen Pferdesport verpflichtet. Dem kommen auch die Gewinne zu Gute.


Das ist der alles entscheidende Satz unter dem auch das hiesige PMU Engagement unterzuordnen ist........!


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