Aktuelle Zeit: Mi 20. Jun 2018, 08:06

Rennpreiszahlung: Schuldscheine statt Geldscheine?

Aktive Themen

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 10 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 BeitragVerfasst: So 20. Mai 2018, 16:28   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 776
Eckhard Sauren gehört zu denjenigen deutschen Rennstallbesitzern, die auch weiterhin gern in Italien starten. Der optimistische Wahlkölner glaubt eben, dass Artikel 1 des kölschen Grundgesetzes auch auf dem Stiefel ewig Gültigkeit behalten wird. Wird Sauren aber bald seine Rennpreise in Schuldscheinen statt in Überweisungen auf das Direktoriumskonto erhalten?

Was auf den ersten Blick ziemlich irre klingt, hat als Frage durchaus seine Berechtigung. Die neue italienische Regierung – vereinfacht gesagt eine vogelwilde Koalition aus der Italo-AfD mit dem italienischen Gegenstück zur Piraten-Partei – hat eigentlich nur ein gemeinsames Ziel: viele neue Schulden machen. Wie aber soll das gehen, wenn man pleite ist? Weil Italiener kreative Leute sind, hat der gärige Regierungshaufen in seiner Koalitionsvereinbarung auch dafür eine Lösung parat - staatliche Schuldverschreibungen (so genannte „mini bots“) statt Euros. Weil seit der Einführung des Euro der italienischen Zentralbank die Möglichkeit genommen ist, nach Herzenslust neue Geldscheine zu drucken, will man stattdessen einfach Schuldscheine drucken. In der deutschen Presse wurden die mini bots schon als Parallelwährung bezeichnet, aber das ist nicht richtig. Die Schuldscheine werden nämlich in Euro ausgestellt mit den üblichen Nominalwerten von 5 Euro aufwärts. Den 5 Euro-Schuldschein etwa ziert das Konterfei des Fußballers Marco Tardelli, wie er bei der WM 1982 das Siegtor für Italien schießt. Das Volk soll sich eben gut fühlen beim Benutzen des Ersatzgeldes.

Und wie soll das in der Praxis funktionieren? Der Staat will mit den Schuldscheinen künftig seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinen Vertragspartnern wie z. B. Lieferanten begleichen. Ein Tischler, der Möbel für eine Schule in Perugia herstellt, soll dann in mini bots vergütet werden. Da der Pferderennsport in Italien vom Landwirtschaftsministerium ausgerichtet wird, muss man davon ausgehen, dass hinsichtlich der Rennpreise auch Rennstallbesitzer, Trainer und Jockeys zur Zielgruppe der mini bots zählen werden. Und was können sie mit den Schuldscheinen anfangen? Sie sollen damit ihre Steuern beim Staat bezahlen können, ferner damit in Einzelhandelsgeschäften, Gaststätten, Restaurants, Tankstellen usw. einkaufen können. Die Annahme der mini bots soll freiwillig sein, aber was passiert, wenn sich nicht genügend Freiwillige unter den Händlern finden? Dann wird der Staat sicherlich zu Zwangsmaßnahmen greifen müssen. Es ist vorgesehen, dass die Schuldscheine im Inland zirkulieren sollen; darum gehe ich davon aus, dass ausländische Rennstallbesitzer wie Eckhard Sauren davon nicht betroffen sein werden. (Gegenwärtig warten die italienischen Ställe auf die Rennpreise vom letzten Dezember. Es besteht also ein Zahlungsrückstand von rund einem halben Jahr.)

Betroffen von der geldpolitischen Maßnahme der italienischen Regierung sind dennoch alle Deutschen, denn die mini bots sind nichts Anderes als ein hinterfotziges und nach den Euro-Regeln eigentlich unzulässiges Manöver der Geldmengenausweitung. Die Zeche zahlen wird am langen Ende die rheinische Wickeltischfamilie durch die Entwertung der Kaufkraft ihrer Euro-Ersparnisse.


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 BeitragVerfasst: So 20. Mai 2018, 16:38   
Rennleitung

Registriert: Fr 19. Nov 2010, 21:54
Beiträge: 7886
Wohnort: münchen
die ehemaligen brüsselpraktikanten sollten nicht nur andere ihnen nicht genehme auslandsparteien für schulden verantwortlich machen. da soll so einer halt auch mal schreiben welche schuldenaxt über deutschland schwebt.aufgehäuft unter leitung der tauben stasinuß. verdeckt als "sicherungen" für exporte. und trotzdem kriegen die besitzer hierzulande ihr geld (noch) ...


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 BeitragVerfasst: Di 22. Mai 2018, 18:58   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 776
Wie sich die neue Regierung gegenüber dem Pferderennsport positionieren wird, ist noch nicht bekannt. Dabei herrscht im Turf ohnehin schon lange Alarmstufe Rot: Das wohl größte Problem besteht darin, dass die Rennbahnbetreiber für das Jahr 2018 noch keinen Vertrag vom Landwirtschaftsministerium bekommen haben. Für deutsche Turffans ist dies wahrscheinlich erklärungsbedürftig, weil der Turf hierzulande ganz anders organisiert ist. Der Rennsport in Italien ähnelt eher dem früher in der DDR. In der DDR gab es einen volkseigenen Betrieb, den VEB Vollblutrennbahnen, der zentral für das Management des Rennsports zuständig war. Die einzelnen Rennbahnen waren Betriebsteile des VEB.

In Italien sind die Rennbahnen zwar selbständige Kapitalgesellschaften, aber sie hängen vertraglich vom Dachverband (= Ministerium) ab. Renntage, Rennpreise usw. wird alles zentral festgelegt. Auch die Betriebskosten der Rennbahnen. Und da die Rennbahnen noch keinen Vertrag haben, haben sie für 2018 auch noch keinen müden Euro von der Zentrale bekommen. Sie müssen aber natürlich ihre Angestellten bezahlen. Im Turf liegen die Nerven deshalb genau so blank wie ansonsten in der italienischen Bevölkerung. Das erklärt auch die abenteuerliche Regierungsbildung.


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 BeitragVerfasst: Do 24. Mai 2018, 06:43   
Rennleitung
Benutzeravatar

Registriert: So 3. Jun 2012, 20:19
Beiträge: 668
Wohnort: Dortmund-Mitte
Sind wir nicht alle irgendwie racingmen, der Präsident vom ganzen mal aus genommen.


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 BeitragVerfasst: Do 24. Mai 2018, 09:28   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 776
Seit gestern weiß man, was zumindest eine der beiden Regierungsparteien über den Pferderennsport denkt. Die italienische AfD namens Lega hat durch ihren Boss Matteo Salvini erklärt: „Ich möchte meine allergrößte Unterstützung für den berechtigten Protest der Rennsportwelt ausdrücken. Unternehmer, Fahrer und Züchter wurden durch eine unsinnige Politik schikaniert, durch die der nationale Pferderennsport sein Potenzial nicht ausschöpfen konnte. Wir haben es mit einem erschöpften Sektor zu tun, der Opfer von Bürokraten und persönlichen Interessen ist. Die neue Regierung steht in der Pflicht, ihn wieder auf die Beine zu bringen. Die Lega steht in der ersten Reihe bereit, um diesen Wirtschaftssektor, der reich an Ressourcen ist, mit neuen Maßnahmen zu stärken.“ Prima, aber hoffentlich nicht mit dem Geld von Big Sur...


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 BeitragVerfasst: Do 24. Mai 2018, 11:13   
Rennleitung

Registriert: Fr 19. Nov 2010, 21:54
Beiträge: 7886
Wohnort: münchen
Die neue italienische Regierung – vereinfacht gesagt eine vogelwilde Koalition aus der Italo-AfD mit dem italienischen Gegenstück zur Piraten-Partei – hat eigentlich nur ein gemeinsames Ziel: viele neue Schulden machen. Toll, die ita-afd .:)

und was schulden anbelangt, das sollten die
merkelianer durchaus die klappe halten ...


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 BeitragVerfasst: Do 24. Mai 2018, 11:37   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 776
Big Sur, wissen Sie eigentlich, wie ich seinerzeit auf den Namen „Racingman“ gekommen bin? Er ist eine Anleihe aus dem Fußball. In den französischsprachigen Ländern gibt es nämlich viele Clubs, die „Racing“ heißen. Von den Journalisten werden die Spieler dieser Clubs in der Mehrzahl gern in einer französisch-englischen Wortschöpfung „les Racingmen“ genannt. Und da ich damals beruflich im Galopprennsport tätig war, fand ich diesen Ausdruck ganz originell. Es gibt im Forum ja viele Nicknames, die Spielraum lassen. Ist der Maitre vom Niederrhein ein Rechtsanwalt oder Koch, wie der Name insinuiert? Ich würde mal einen Heiermann dagegen wetten. Am Big Sur an der kalifornischen Westküste heißt die Straße Highway no.1, in Dortmund heißt die B1 auch Ruhrschnellweg.

Zurück zum Italo-Turf: Die seit Langem geplante Privatisierung des italienischen Pferderennsports wurde ja schon vor Jahren in Angriff genommen, aber das Ganze steckt noch irgendwo im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren fest. Die „AfD-Lega“ will dies offenbar nun wieder in Gang bringen, und das wäre in der Tat ein richtiger Ansatz.


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 BeitragVerfasst: Do 24. Mai 2018, 22:12   
Rennleitung
Benutzeravatar

Registriert: So 3. Jun 2012, 20:19
Beiträge: 668
Wohnort: Dortmund-Mitte
Ja, das ist so. In Kalifornien nennen sie ihr Pferd Dortmund, das u.a. dann das Santa Anita Derby gewinnt, in Dortmund nennen sie sich Big Sur, eine kleine Reminiszenz an das Buch 'My Life and Times' von Henry Miller, in dem er Big Sur ein ganzes Kapitel widmet.


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 BeitragVerfasst: Di 29. Mai 2018, 13:47   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 776
Seit der Jahrtausendwende haben bereits elf italienische Pferderennbahnen ihre Pforten schließen müssen, und es könnten noch mehr werden. Besonders schlimm hat es dabei die Toskana getroffen. Im dortigen Rennzirkel gab es früher sechs Galopprennbahnen, jetzt nur noch die Hälfte. Da die großen Rennbahnen Pisa und Florenz im Sommer nicht veranstalten, bleiben jetzt nur zwei oder drei Renntage im August auf einer winzigen sonsbeckmäßigen Piste. Ansonsten haben die Toskana-Galopper im Sommer nun drei Monate rennfrei. Genau weiß aber niemand, wann in Zukunft Rennen sind, denn der Terminkalender wird nur monatsweise veröffentlicht. Bei den Rennpreisen wird teilweise kräftig gekürzt. Die Trabrennbahn Cesena an der Adria muss mit einer Kürzung von 35 % gegenüber der Vorsaison zurechtkommen. Pro Renntag bekommt Cesena vom Ministerium ein Rennpreisgeld (für sämtliche Prüfungen des Tages) von 28.050 Euro zugeteilt. So zentralistisch ging es früher auch im volkseigenen DDR-Rennsport zu. Die Trabrennbahn Palermo ist übrigens immer noch wegen der Mafia-Verwicklungen geschlossen.

Für besonderen Ärger hatte ein vom Ministerium neu erdachtes Kategoriensystem für sämtliche Pferderennbahnen gesorgt. Nach Galopp und Trab getrennt waren die Hippodrome in verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt worden: Bahnen mit strategischer Bedeutung; wirtschaftliche Bedeutung; Freizeitbedeutung; … und solche ohne Bedeutung, was praktisch dem Aus gleichgekommen wäre. Darunter waren auch alle drei Galopprennbahnen auf der Insel Sardinien. Natürlich gab es Protest wie immer in Italien, und das letzte Wort ist wohl noch nicht gesprochen. Der ungünstigste Zustand für den italienischen Rennsport ist es, wenn wie aktuell überhaupt keine handlungsfähige Regierung vorhanden ist, denn das Landwirtschaftsministerium und das Finanzministerium SIND zusammen der Pferderennsport.


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 BeitragVerfasst: Di 29. Mai 2018, 19:32   
Rennleitung

Registriert: Fr 19. Nov 2010, 21:54
Beiträge: 7886
Wohnort: münchen
dan unterscheidet sich die italienische regierung noch deutlich positiv von den deutschen/hessischen/frankfurter sportpolitdeppen denen der fußball seit jahrzehnten das ärschlein poliert ...


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 10 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  


Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group • Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Style originally created by Volize © 2003 • Redesigned SkyLine by MartectX © 2008 - 2010